Sterbehilfe im Fernsehen – Kritik von Ärztekammer
11. Dezember 2008 von Redaktion
Windhorst: Sterben ist keine Doku-Soap – „Die Würde des Sterbenden ist unantastbar”
Minden/Münster, 11.12.2008 – „Das Sterben und der Tod sind so privat und intim, dass sich hier ein öffentlicher Voyeurismus verbietet.” Der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst, kritisiert damit die TV-Dokumentation „The Suicide Tourist”, die gestern Abend im britischen Fernsehen ausgestrahlt und in der die Selbsttötung eines unheilbar kranken Patienten dargestellt wurde: „Den Menschen ist anscheinend nichts mehr heilig, auch nicht das Sterben.”
….„medienwirksame Darstellungen und öffentlichkeitsverliebte Selbstdarsteller wie Ex-Senator Kusch …
Immer wieder, so Windhorst, werde die Debatte um Sterbehilfe und Sterbebegleitung durch „medienwirksame Darstellungen und öffentlichkeitsverliebte Selbstdarsteller wie Ex-Senator Kusch und Dignitas auf unangebrachte Art und Weise angefeuert”. Dabei sei unbedingt eine sachliche Auseinandersetzung mit diesem Thema notwendig. „Wir brauchen einen ausgewogenen gesellschaftlichen Diskurs über eine bessere Sterbebegleitung. Sensationslust darf hier nicht bedient werden. An erster Stelle muss in diesem Prozess stets die Würde des Sterbenden stehen, die unantastbar ist.” Diese gelte es, in jedem Moment zu schützen.
Der Kammerpräsident sieht dabei die Ärzteschaft in einer besonderen Verantwortung. Ärztliche Aufgabe sei es, Leiden zu lindern und Sterbenden den notwendigen Beistand zu geben. In diesen Prozess der Sterbebegleitung sollen auch die Angehörigen eng einbezogen sein.
Windhorst fordert in diesem Zusammenhang, die palliativmedizinischen Strukturen auszubauen und zu verbessern. Eine kompetente Symptom- und Schmerzkontrolle biete die Möglichkeit, dem Patienten die Ängste vor dem nahenden Tod zu nehmen, sodass er seinen bevorstehenden Tod leichter akzeptieren könne. „Die ihm noch verbleibende Zeit soll der Sterbende am besten zu Hause oder in einem Hospiz so erfüllt wie möglich erleben. Der Patient darf gar nicht auf die Idee kommen, sein Schicksal in die Hände von profit-orientierten Suizid-Scharlatanen zu geben. Englische TV-Verhältnisse darf es in unserem Land nicht geben.”