Minden: SKT stellt Forum Vorentwurf des Masterplanes Innenstadt vor
17. Dezember 2008 von Redaktion
Vorentwurf – Das neue Bild der Mindener Innenstadt?
Minden - Auf Basis der im Innenstadtforum geäußerten Anregungen, Ideen, Wünsche und Kritiken ist von dem Bonner Planungsbüro skt – umbaukultur in der jüngsten Sitzung des Forums ein Vorentwurf des künftigen Masterplanes präsentiert worden. Darin werden weitgehend alle Themenbereiche abgehandelt, in denen Handlungsbedarf besteht. Die Planer machten deutlich, dass die Stadt Minden vorwiegend Qualitätsprobleme in allen Bereichen der städtebaulichen Struktur hat.
Ein Yachthafen am nordöstlichen Brückenkopf denkbar
Zu den größten Aufgaben gehört danach unter anderem die Aufwertung der innerstädtischen Flusslandschaft. Mit der Schaffung einer angemessenen Promenade für Spaziergänger und Radfahrer, durchgängig vom Weserstadion bis zur Fischerstadt sollen auch kleinere Platzbereiche mit Aufenthaltsqualität geschaffen werden. Die „Stadt am Fluss” soll auch von der rechten Weseruferseite erlebbar gemacht werden. Ein vergleichsweise schlichter Fuß- und Radweg soll einen Rundweg zwischen den Weserbrücken ermöglichen, so einer der Vorschläge.
Die Anbindung der Stadt an die Weser soll nach den Entwürfen von skt über die bestehenden Wegeverbindungen durch das Glacis erfolgen. Der Bereich am Wesertor mit dem Kurfürstendenkmal soll mit einer großen Treppenanlage der repräsentative Zugang zur Weser beziehungsweise in Gegenrichtung zur Innenstadt werden, die Tonhallenstraße nur noch den Fußgängern und Radfahrern vorbehalten sein. Für Wasserwanderer und -sportler ist ein Yachthafen am nordöstlichen Brückenkopf denkbar, um für diese Gruppe – neben den ohnehin schon anwesenden Campingmobilisten an der Glacisbrücke – ein Innenstadtangebot zu machen.
Das Glacis soll nach den Vorstellungen des Planungsbüros zukünftig nicht mehr als trennendes Element, sondern als verbindender grüner Stadtraum wahrgenommen werden. Hierzu ist ein zusätzlicher Übergang von der „steinernen Stadt” in die Grünanlage im Bereich des Holiday Inn-Hotels geplant, um einen weiteren Zugang zum Weserglacis in Richtung Fluss zu erhalten.
Insgesamt sieht das Konzept die Aufwertung des Glacis vor. Das Glacis soll entsprechend seiner angrenzenden Stadtquartiere und Nutzungen verschiedene Charakterzüge erhalten. Im Bereich des Weserglacis ist die Restaurierung des einstigen Waldparks vorgesehen, da hier die einstmals hochwertig gestaltete Parkanlage noch mit den angrenzenden Repräsentationsbauten unter anderem der Alten Regierung und dem Alten Kreishaus (Kommunalarchiv) korrespondiert. Im westlichen Abschnitt der Schulen sind die Freizeitnutzungen für die jüngeren Mindener zu konzentrieren, während die Glacisareale entlang der alten Wohnquartiere ihren heutigen Waldcharakter behalten sollen. Nur im Bereich vorhandener Spielplätze werden die geforderten Lichtungen für Spiel- und Liegewiesen angelegt. Das gesamte Glacis wird, so der Entwurf, mit einem einheitlichen, die Innenstadt umschließenden Hauptweg für Fußgänger und Radfahrer erschlossen. Mit dieser Konzeption könnten die unterschiedlichsten Anforderungen an das Glacis erfüllt werden, meint das Planungsbüro.
Die positive Situation der Verkehrserschließung und des Parkens bedarf laut skt nur kleinerer Eingriffe. Der ZOB ist zeitgemäß zu erneuern, um den ÖPNV attraktiv zu halten. Die Bündelung von Fahrradstellplätzen und Taxen am ZOB ist angedacht. Auch zur räumlichen Fassung seien bauliche Maßnahmen erforderlich. Eine Überbauung des ZOB mit einem großen Baukörper ist aber nicht mehr vorgesehen, um nicht – gegen den Trend – neue Angsträume zu schaffen.
Am Wesertor ist laut Vorentwurf eine Umorganisation der Verkehrsführung geplant, die ohne Reduzierung der vorhandenen Fahrbahnen einerseits mehr Raum für Fußgänger schafft und andererseits die Fußgängerüberwege näher zusammenrückt. Damit werden die Fußgängerbeziehungen zwischen der Bäckerstraße und der Weserbrücke beziehungsweise dem Weserglacis deutlich optimiert.
Die Verknüpfung der Schulen am Königswall und der Oberen Altstadt soll durch Aufhebung der bisherigen Aufteilung des Königswalls erfolgen. Angedacht ist eine beinahe regelungsfreie Verkehrsfläche (Shared space) oder ähnliches, die sämtliche Verkehrsteilnehmer auffordert, sich in gegenseitiger Rücksichtnahme zu üben. Gleiche Überlegungen sollen für die Straßen der Oberen Altstadt angestellt werden.
Um den abgehängten Teil der Marienstraße an der Kreuzung Immanuelstraße/Grimpenwall wieder stärker in die Struktur der Innenstadt einzubinden, soll das Marientor in Einbahnrichtung zum Marienwall wieder geöffnet werden. Für alle öffentlichen Bereiche gelte zukünftig die barrierefreie Gestaltung der Oberflächen.
Zu den größeren Bauprojekten zählt die bauliche Markierung des Stadteinganges am Dreiecksplatz, die Baulückenschließung in der Oberen Altstadt durch förderungswürdige Wohnprojekte für beispielsweise junge Familien und Senioren sowie die Umnutzung leerstehender Gebäude durch neue Wohnformen.
Fahrstuhl soll untere und obere Altstadt verbinden
Ebenfalls ist ein Vorschlag für eine Bebauung an der Martinitreppe in Verbindung mit einem Fahrstuhl präsentiert worden, um den Höhenunterschied zwischen Markt und Martinitreppe zu überwinden. “Diese detailliertere Planung machte den Forumsmitgliedern deutlich, dass einfache Wünsche mit erheblichen Eingriffen in den vorhandenen Baubestand sowie hohen Bau- und Folgekosten verbunden sind, so dass bei jeder einzelnen zu planenden Maßnahme Kosten und Nutzen abzuwägen und auch ins Verhältnis zu anderen erforderlichen Maßnahmen zu setzen sind”, fasst die Stadtplanung zusammen.
Eine neue Bebauung am Standort des heutigen Pavillons sei dabei sinnvoll, so skt, um die solitäre Stellung eines Fahrstuhlsbauwerkes im Stadtraum zu integrieren. Die Schaffung der baulichen Voraussetzungen für einen Fahrstuhl, der eigentliche Bau und der folgende Unterhalt würden aber zu Kosten führen, die die Verhältnismäßigkeit dieses Bauwerks in Frage stellen.
Beim bislang heftig umstrittenen Thema Einzelhandel wurden das Rathausquartier und der Deichhof als künftige Standorte für ergänzenden Einzelhandel festgelegt. Neben der Konzentration des Handels auf Bäckerstraße und Scharn seien weitere großflächige Einzelhandelsprojekte nur im direkten Umfeld dieser Lauflagen gewünscht, fasste skt zusammen. Der Konflikt um den Erhalt oder den Abriss des Rathaus-Neubaus (Deilmann-Bau) ist damit noch immer nicht ausgestanden. Denn das gerade veröffentlichte Buch „Wirkungsanalyse große innerstädtischer Einkaufscenter” des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) komme in seiner Beurteilung für Minden zu dem Schluss, dass der Rathausstandort der am besten geeignete Standort zur Integration für ein mögliches Einkaufszentrum in der Innenstadt sei – trotz vieler Schwierigkeiten, die damit verbunden sind.
Der Vorentwurf wurde von den Forumsmitgliedern grundsätzlich positiv aufgenommen. Das 30-köpfige Gremium, das sich aus Mitgliedern des Rates, Vertretern der Verwaltung sowie Bürgerinnen und Bürgern zusammensetzt, ist nunmehr aufgefordert, sich mit den geplanten Maßnahmen auseinandersetzen und in der nächsten Forumssitzung am 21. Januar 2009 aus den vielfältigen Aufgaben mehrere Leuchtturmprojekte auszuwählen beziehungsweise die Prioritäten der übrigen Maßnahmen festzulegen.
