Minden-Lübbecke: Jahr 2008 – Ein Auf und ab für unsere Landwirtschaft
8. Januar 2009 von Redaktion
Jahresrückblick des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Minden-Lübbecke: 2008 war ein höchst ereignisreiches Jahr
Kreis Minden-Lübbecke – Für die Bauern des Mühlenkreises war 2008 ein höchst ereignisreiches Jahr. Hohe Getreide- und Milchpreise zu Jahresbeginn ließen die Agrarbranche positiv stimmen. „Ein neues Zeitalter ist angebrochen“, so überschwängliche Kommentare. Kaum war das neue Zeitalter angebrochen, war es auch schon vorbei. „Nach dem Anstieg erfolgte der Absturz – eine Achterbahnfahrt der Preise für Rohstoffe und Agrarerzeugnisse“, bilanziert der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Minden-Lübbecke Karl-Heinz Becker. Zugleich haben Finanzkrise und wirtschaftliche Probleme für eine nur verhaltene Nachfrage nach Nahrungsmitteln – insbesondere nach veredelten Produkten – gesorgt.
Die Lage ist weiterhin angespannt
Die Lage der Bauern ist in allen Produktions-Bereichen angespannt. Die Milchbetriebe kämpfen mit nicht ausreichenden Erlösen. Nach einer nur sehr kurzzeitigen Erholung im letzten Jahr, sind die Milchpreise wieder stark gesunken. Der Lebensmitteleinzelhandel hat erneut die Molkereiwirtschaft unter Druck gesetzt und seine Marktmacht ausgenutzt. Ebenso setzte sich die Schweinemisere 2008 fort. Die Schweine-Betriebe brauchen dringend höhere Preise, um eine kostendeckende Erzeugung zu erzielen. Becker: „Der anhaltende Preisdruck besonders für Ferkel, aber auch für Schlachtschweine bei stark gestiegenen Kosten für Futter und Energie, ist zu einer sehr ernsten Bedrohung geworden“. Allerdings gibt es bei den Betriebsmitteln auch eine Tendenz zu fallenden Preisen.
Die Getreideernte fiel in diesem Jahr gut aus. Die Freude über die Ernte wurde allerdings durch die deutlichen Preisrückgänge spürbar gedämpft. Hinzu kamen explodierende Kosten für Betriebsmittel. „Vor zehn Monaten konnten wir 25 € je Dezitonne für Weizen erlösen, heute nur 12 €“, resümiert Becker. Auch die Einschnitte der EU-Agrarministerkonferenz vom November, treffen die Bauern hart. 2003 wurde bereits eine 5%-Reduzierung bis 2012 beschlossen; jetzt ist der Kürzungssatz noch einmal verdoppelt worden. „Das macht für einem durchschnittlichen Hof schnell einen vierstelligen Betrag aus“, erläutert Becker.
Die Preise für die Agrar-Erzeugnisse sind gesunken, die EU-Ausgleichszahlungen werden im nächsten Jahr gekürzt, die Milchquoten erhöht. „Zudem merken auch wir die Rezession. Das alles klingt nicht positiv“, erklärt der Vorsitzende. Trotzdem blickt er nicht pessimistisch in die Zukunft. Die Weltbevölkerung steigt und Schwellenländer werden eine größere Nachfrage an hochwertigen Lebensmitteln haben. Die wachsende Zahl der Menschen mit Nahrung zu versorgen wird eine der großen Herausforderungen sein. Steigerungspotenziale sieht der Vorsitzende im Agrar-Export. „Aber ob China, Indien, Russland oder ein anderer Markt. Entscheidend wird sein, dass wir von den Kosten her in der Lage sind, mit anderen Anbietern mitzuhalten“. Der Vorsitzende appelliert deshalb an die Politik, die Landwirtschaft wettbewerbsfähig zu halten. „Es muss endlich Schluss sein mit dem nationalen Draufsatteln auf EU-Regelungen.“ Reformen mit Augenmaß sind absolut notwendig, beispielsweise bei der Agrardiesel-Besteuerung und der Vorlage des Umweltgesetzbuches, um Wertschöpfung und Arbeitsplätze des grünen Berufszweiges zu erhalten.
Becker: „Der Außenhandel ist der Motor für die Land- und Ernährungswirtschaft, birgt aber Risiken wie Währungs- oder Absatzschwankungen vor dem Hintergrund weltweiter Rezession. So ist in wirtschaftlich unsicheren Zeiten die Kaufkraft der Verbraucher ganz entscheidend. Zwar ist das Nachfragepotential da, aber häufig fehlt das Geld. Die Folge: Der Konsument zeigt entweder Kaufzurückhaltung oder setzt in erster Linie auf Preisangebote.
Trotz allem: „Die Landwirtschaft ist ein stabiler Faktor in unserer Gesellschaft“, macht der Vorsitzende Mut. Die Versorgungssicherheit bei Nahrungsmitteln und Bioenergie wird noch an Bedeutung gewinnen. Die zunehmende Weltbevölkerung muss ernährt werden. Für die fossilen Energien müssen Alternativen gefunden werden, dabei spielt die Bioenergie eine zentrale Rolle. Allerdings sieht der Vorsitzende deutlich schwankende Märkte „ wie wir sie 2008 schon deutlich gespürt haben.“ Weiter sei eine Orientierung an die globalen Märkte unumgänglich. „Aber die Höfe hierzulande sind international gut aufgestellt“, unterstreicht Becker. „Deutsche Agrarerzeugnisse werden bei uns und in die ganze Welt verkauft.“