Kreis Minden-Lübbecke: Viel Lob für das “große Torfmoor”
10. Januar 2009 von Redaktion
Erfolgreiche Naturschutzarbeit in OWL wird fortgeschrieben:
Der Kranich brütet jetzt im Großen Torfmoor
Minden/Detmold – Das von der EU und dem Land Nordrhein-Westfalen finanziell geförderte Naturschutzprojekt zur Regeneration des „Großen Torfmoores” im Kreis Minden-Lübbecke (Gemeide Hille) hatte bereits im Zuge der Umsetzung große Anerkennung und viel Lob aus der Fachwelt erhalten. Das Urteil der Experten wurde jedoch im Sommer dieses Jahres pünktlich zum Abschluss des Projektes eindrucksvoll durch die Natur selbst bestätigt: Erstmalig in der Naturschutzgeschichte Nordrhein-Westfalens konnte die Brut eines Kranichpaares mit erfolgreicher Aufzucht eines Jungtieres im Moor nachgewiesen werden.
Großen Torfmoor” mit 550 ha Größe, 1000 weidenden Schafen, 13 km Wanderwegen…
Dieser nur während der Zugzeiten am Himmel über NRW zu beobachtende Großvogel mit der Brutheimat in Skandinavien und Osteuropa, der ansonsten in Deutschland durch die Rast tausender Vögel an der Ostseeküste und neuerdings auch in der Diepholzer Moorniederung bekannt ist, benötigt mit seiner versteckten Lebensweise für die Brut großflächige, ruhige Feuchtgebiete und Moore von hoher Biotopqualität, wie sie bislang im Wesentlichen nur außerhalb Nordrhein-Westfalens vorzufinden waren.
Im Rahmen des Projektes wurden insbesondere die Hochmoorflächen konsequent wiedervernässt und beruhigt und damit die Voraussetzungen für die Wiederansiedlung hochmoortypischer Vegetation geschaffen.
Für die Mitglieder des NABU-Kreisverbandes Minden-Lübbecke, dem Träger des Projektes zur Wiederherstellung des Hochmoores, kam dieses für die Region und ganz NRW herausragende Naturschutzereignis dennoch nicht von ungefähr. »Wir haben schon seit Anfang der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts regelmäßig rastende Kraniche (Grus grus) im Moor beobachtet. Teilweise hielten sich die Tiere auch bis in den Sommer im Gebiet auf, sodass bereits seit längerem die Hoffnung bestand, dass der Kranich auch bei uns zur Brut schreiten würde. Letztendlich waren dann aber doch die in den Jahren 2003 bis 2008 im Rahmen des LIFE-Natur-Projektes „Regeneration des Großen Torfmoores” durchgeführten Maßnahmen für die erfolgreiche Ansiedlung und Brut dieses nordischen Großvogels ausschlaggebend,« sagte Ernst Günter Bulk, langjähriger NABU-Moorexperte.
Minister Eckhard Uhlenberg: »Die erstmalig nachgewiesene Brut des Kranichs im Großen Torfmoor zeigt auch, dass das europäische, ökologische Netz besonderer Schutzgebiete, bestehend aus den FFH- und den Vogelschutzgebieten, bereits nachhaltig auf die zu schützenden Arten wirkt und mit gezielten Maßnahmen in den Gebieten die Situation dieser Arten verbessert werden kann.«
Das im Eigentum des Landes Nordrhein-Westfalen befindliche Naturschutzgebiet „Großes Torfmoor” im Kreis Minden-Lübbecke ist dabei ein Paradebeispiel, wie auch in dichter besiedelten Bereichen Natur- und Artenschutz im europäischen Verbund einerseits und Naturerlebnis und Naherholung andererseits in Einklang gebracht werden können. Mit der Einrichtung eines Naturerlebnisweges und verbesserter Wegeführung und -gestaltung wird den Anforderungen und Wünschen der Bürger an Möglichkeiten zum Erleben und Erfahren von Natur entsprochen. Gleichzeitig werden Bereiche mit besonderen Naturschutzfunktionen von Besucherdruck entlastet bzw. freigehalten.
Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl freut sich über den im Moor geschlüpften und aufgewachsenen Kranich sowie über die eingetretene aktuelle Entwicklung. Gleichzeitig sieht sie durch die nicht alltäglichen Erfolge im Moor aber auch eine besondere Verpflichtung und Aufgabe des Naturschutzes für die Zukunft.
Thomann-Stahl: »In den vergangenen fünf Jahren war es durch den Einsatz von Landes- und EU-Fördermitteln möglich, die notwendigen Maßnahmen sorgfältig zu planen und mit dem erforderlichen personellen Management sachgerecht umzusetzen und zu begleiten. Nach Auslaufen dieses europäischen Naturschutzprojektes sind die Region und das Land NRW nunmehr gefordert, die Pflege, Betreuung und weitere Entwicklung des Gebietes fortzusetzen. Dieses ist in einem derartig wertvollen Schutzgebiet von europäischer Bedeutung wie dem „Großen Torfmoor” mit 550 ha Größe, 1000 weidenden Schafen, 13 km Wanderwegen, 15 landwirtschaftlichen Pächtern und einer durch das Naturschutzprojekt eingeleiteten, dynamischen und differenzierten Biotopentwicklung eine zentrale und anspruchsvolle Aufgabe.«
Hierzu gehört es neben den praktischen Maßnahmen, die Naturschutzarbeit für das Moor mit innovativen Naturschutzideen so zu organisieren, dass es zu einer übergreifenden Zusammenarbeit der verschiedenen Fachleute und Geldgeber mit der Perspektive einer bestmöglichen Umsetzung der anspruchsvollen Schutz- und Erhaltungsziele kommt.
Alle Beteiligten sind sich sicher, dass sie auch weiterhin das „Große Torfmoor” in der „Naturschutz-Erfolgsspur” halten.