Bad Oeynhausen: Brand eines türkischen Lebensmittelgeschäftes war Brandstiftung – Foto
30. Januar 2009 von Redaktion
Geschäfte liefen schlecht – Eigenes Geschäft angezündet – Drei Täter ermittelt
Minden/Bad Oeynhausen – Die Ermittlungen nach dem Brand eines türkischen Lebensmittelgeschäftes in der Ringstraße in Bad Oeynhausen führten zur Festnahme von drei tatverdächtigen Brandstiftern. Zwei werden am Freitagmittag dem Haftrichter vorgeführt.
Wenn sowas Schule macht, müsste jede zweite Bank in Deutschland brennen
In der Nacht von Samstag, dem 11. Oktober, zum Sonntag, dem 12.10.2008 brannte im Erdgeschoss eines Mehrfamilienhauses an der Ringstraße ein türkisches Lebensmittelgeschäft. Gegen 00.05 Uhr nahmen Anwohner eine Explosion wahr und informierten die Feuerwehr und Polizei. Das Feuer war nach ca. 35 Minuten gelöscht, insgesamt 12 Personen wurden seinerzeit aus dem unmittelbaren Gefahrenbereich der über dem Geschäft befindlichen Wohnungen evakuiert (wir berichteten). Der Sachschaden wurde auf mindestens 50.000 € geschätzt.
Aufgrund der vorgefundenen Spurenlage -das Brandobjekt wurde am Sonntagnachmittag durch die Tatortgruppe des Landeskriminalamtes, unterstützt durch einen unabhängigen Sachverständigen und einen Brandmittelspürhund untersucht- gingen die Beamten von einer möglichen Brandstiftung aus. Die Reste eines Kunststoff-Kanisters, der auf den Einsatz von Brandbeschleuniger schließen ließ, wurden im Brandschutt gefunden. Weiterhin wurden die Ermittlungsbeamten des Staatsschutzes vom PP Bielfeld eingeschaltet, da ein fremdenfeindlicher Hintergrund nicht auszuschließen war.
Da sich jedoch keinerlei Hinweise auf ein fremdenfeindliches Delikt ergaben, blieb die weitere Ermittlungsarbeit bei den Spezialisten des Mindener KK 11.
Die aufwändig und akribisch durchgeführten Ermittlungen führten schließlich zu drei Tatverdächtigen, die am Donnerstagmorgen in Bad Oeynhausen festgenommen wurden.
Es handelte sich um einen 22-jährigen türkischen Familienangehörigen des Geschäftsbetreibers, seinen 19-jährigen türkischen Bekannten und einen 18-jährigen Deutschen. Alle drei Tatverdächtigen wohnen in Bad Oeynhausen und sind bisher bei der Polizei nicht einschlägig in Erscheinung getreten.
Nach jetzigem Ermittlungsstand wurde die Brandstiftung von dem 22-Jährigen geplant. Grund dafür war der beabsichtigte Betrug der Inventar- und Betriebsausfallversicherung, da die Umsätze des Ladens deutlich zurück gegangen waren.
Der Mann beauftragte seinen türkischen Bekannten, einen „Brandstifter” anzuheuern, der einen Einbruch vortäuschen und den Brand legen sollte. In dem zur Tatzeit 18-Jährigen wurde der Brandleger gefunden. Für einen dreistelligen Euro-Betrag erklärte er sich zur Tatausübung bereit.
Der junge Mann deponierte in der Nacht vor dem Brand einen 20-Liter- und einen 10-Liter-Benzinkanister in dem Ladenlokal und ließ sich am Samstagabend im Geschäft einschließen. Hier verharrte er ca. drei Stunden, bis er verabredungsgemäß gegen Mitternacht die 30 Liter Benzin verteilte und mit einem benzingetränkten Papiertuch entzündete. Es kam unverzüglich zur Explosion, bei der der Täter ca. fünf Meter weit durch ein geöffnetes Klappfenster nach draußen in ein Gemüsebeet flog. Nur durch einen glücklichen Umstand blieb der zwischen Tomatenstangen „gelandete” Mann unverletzt.
Die Täter handelten mit dem Bewusstsein, dass sich zur Tatzeit in den Wohnungen 15 – 20 Personen, darunter Anwohner und auch Besucher- befanden. Sie riskierten, dass es bei den Menschen zu Verletzungen hätte kommen können. Unter Anbetracht dieser Kaltblütigkeit wurden die Ermittlungen seitens der Polizei und Staatsanwaltschaft wegen schwerer Brandstiftung und Herbeiführens einer Explosionsgefahr geführt. Es handelt sich um ein Verbrechen mit einer Mindeststrafe von einem Jahr.
Der 22-jährige Familienangehörige sowie auch der 18-jährige Deutsche werden am Freitagmittag dem Haftrichter vorgeführt, es besteht aufgrund der zu erwarteten Strafandrohung Fluchtgefahr. Der 19-jährige Mittäter kam wieder auf freien Fuß.
